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Heimat ist viel interessanter als du denkst!

Heimat ist nicht nur etwas für die alten Menschen – auch wenn sie sich besonders oft mit diesem Thema beschäftigen. Gern erinnern sie daran, “wie es früher war” und manchmal nerven sie ihre Kinder oder Enkel damit. Aber meist sind sie nur stolz darauf, zeigen zu können, wie sich das Leben in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten verändert hat. Und sie wissen auch ganz genau, dass früher nicht alles besser war.

So möchte auch der Gehlenbecker Heimatverein nicht den Müll der “guten alten” Zeit sammeln und ausstellen. Vielmehr will er an einigen Beispielen zeigen, wie sich unsere heutige Welt – und in ihr unser Dorf – entwickelt hat. Diese Internetseite berichtet über die Arbeit vieler ehrenamtlicher Frauen und Männer, die in ihrer Freizeit die Geschichte und die Gegenwart Gehlenbecks darstellen und so mithelfen, die Veränderungen zu entdecken.

Hier findest du einige Beispiele:


Das Gehlenbecker Heimathaus – “Gehrmker Hius”

 

Das Gehlenbecker Heimathaus bedindet sich in einem alten Bauernhaus der Familie Wellpott, später Röthemeier. Der Hof liegt in der Ortsmitte an der Hauptstraße und hatte früher die Hausnummer 17, er gehörte also zu den größeren Höfen. Das jetzige Fachwerkgebäude wurde 1798 erbaut und blieb im ursprünglichen Zustand erhalten. Vor zehn Jahren kaufte der Heimatverein das Anwesen und renovierte den Fachwerkbau, wobei darauf gesehen wurde, dass der ursprüngliche Zustand erhalten blieb. Das Heimathaus zeigt also den Zustand eines Bauernhauses vor etwa 100 Jahren, lediglich Küche und Toiletten wurden modernisiert. Auf dem Boden geben landwirtschaftliche Geräte, frühere Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Kleidungsstücke und Geräte zum Torfstechen einen Eindruck davon, wie mühsam das Leben auf dem Dorf früher war.

Die Zigarrenstube gibt einen guten Einblick in die Zigarrenherstellung.


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Der Korn- und Wehrspeicher auf dem Hof Pohlmann

Das älteste Gebäude Gehlenbecks außer der Kirche ist ein Speicher oder Steinwerk auf dem Hof Pohlmann in der Mitte von Gehlenbeck. Der Hof Pohlmann, früher „Grevenhoff“ genannt, gehörte zur Reineburg, war also in adeligem Besitz und diente den Vögten und Amtsschreibern als Wohnsitz. Solche Steinwerke durfte früher nur der Adel bauen. Die Adeligen zahlten keine Steuer, daher hatte der Hof keine Hausnummer, denn diese war früher zugleich die Steuernummer. Die Mauern des Baus, aus wertvollem Portasandstein, sind bis 90 cm dick, die Fenster sind teilweise klein wie Schießscharten, der Bau diente also als Schutz- und Fluchtraum bei feindlichen Angriffen. Auch gegen Feuer bot er Sicherheit, die beiden Dorfbrände 1760 und 1864 überstand der Bau unbeschadet. Die mächtigen Eichenbalken und –bohlen verraten die solide Bauweise, und die vier Geschosse boten viel Platz. Nach einer inzwischen erfolgten Restaurierung befindet sich das Gebäude wieder in einem hervorragenden Zustand und soll für Ausstellungen genutzt werden.


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Das Zigarrenarbeiterdenkmal am Günter-Döding-Platz

Früher lebten alle Gehlenbecker von der Landwirtschaft, auch Pastor und Kantor (Lehrer) verfügten über Ländereien. Sie konnten auch den Berg, Wiesen und Weiden sowie das Moor nutzen. Sie waren aber von Gutsherren abhängig, mussten an sie Abgaben leisten und Hand- und Spanndienste verrichten.Von diesen Pflichten konnten sie sich um 1840 freikaufen.

Die ärmeren Familien litten oft große Not, mit Spinnen und Weben konnte man nicht mehr über die Runden kommen, als die Spinnmaschine erfunden wurde.

Als vor etwa 150 Jahren die Zigarrenindustrie in unsere Gegend kam, besserte sich die Lage. Es siedelten sich nach und nach 9 Zigarrenfabriken an, meist nur kleine Betriebe, „Zigarrenbuden“ genannt. Oft mussten auch die Kinder mitarbeiten, schon vor der Schule hatten sie in die Zigarrenbude zu gehen.

Als die Regierung die Kinderarbeit verbot, verlegten sich die Hersteller auf die Heimarbeit, und in den eigenen vier Wänden konnten alle mitarbeiten, vom Kind bis zu Oma und Opa. Durch die Zigarrenindustrie besserte sich die Lage der ärmeren Schichten, manche Familie konnte sich sogar ein Haus bauen.

Vor etwa 50 Jahren lief die Zeit der Zigarrenproduktion aus, heute ist nur noch eine Zigarrenfabrik in Lübbecke in Betrieb, die Firma „Dannemann“, früher „August Blase“. Günter Döding, in Gehlenbeck groß geworden, arbeitete in der Zigarrenindustrie, war lange Zeit Gewerkschaftsführer der NGG, die auch Zigarrenarbeiter vertrat, spendete seiner Heimatgemeinde großzügige Mittel und bezahlte auch das Zigarrenarbeiterdenkmal. Auch in der Zigarrenstube im Heimathaus wird an ihn erinnert.


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Die gehle Bieke

Der Mühlenbach, der durch Gehlenbecks Dorfzentrum fließt, wird als „gehle bieke“ bezeichnet. In der Dorfgeschichte sind die ersten Wohnsiedlungen in seiner unmittelbaren Nähe zu finden gewesen. Neben dem Trinkwasser sorgte er für die Bewässerung der anliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen und später für den Antrieb mehrerer Wassermühlen. Das nötige Gefälle bringt der Bach, der südlich des Quellsieks im Wiehengebirge entspringt, mit. In Mühlteichen angestaut, konnten entlang des Bachlaufs bis zu fünf Mühlen die Wasserkraft nutzen. 1912 nach der Elektrifizierung Gehlenbecks wurden sie auf die neue Energiequelle umgestellt und sind mittlerweile bis auf Andeutungen in der Bausubstanz ganz verschwunden.